Lecture in Vienna: How to become a Zero Waste society

Text in German below. 

What is Zero Waste? Is it possible to get rid of waste, to achieve a waste free society? What can I do? Should I exchange my old household appliances with new ones that consume less energy? But that’s again producing waste, isn’t it? All those and many more questions were discussed recently at a gathering of two local branches of the Social Democratic Party’s Ottakring district organization. (Vienna, 8.11.2012)

What is Zero Waste and why do we think it’s a good idea? From our point of view we are stuck in a linear economy dependent on exponential – and thus eventually infinite – material growth that necessarily produces huge amounts of waste. However, we consider infinite growth in a finite world simply impossible. We further consider contemporary measures of dealing with waste inadequate to both resolve social and ecological issues related to waste as well as to reduce the amounts of waste produced in the first place. Because those measures are just treating symptoms instead of tackling the actual cause. To compare, think of a visit at your doctor’s – you’re going there with the flu and come back with tissues for your running nose!

Some facts to highlight what I mean:

  • Each year Austrians dispose of 500.000 washing machines. If you put those edge-to-edge – with no space in between – you’d start in Vienna and reach the end of the line 300 km later in Salzburg! (Source: Sepp Eisenriegler, R.U.S.Z. Vienna, Ö1 Radiokolleg “Abfall als Ressource”, 10.10.12)
  • Electronic waste contains on average 150g of gold per ton, which is not utilized. In contrast, natural gold mines operate from levels as low as 6g of gold per ton of rock. (Source: Ö1 Radiokolleg “Abfall als Ressource”, 10.10.12)
  • Globally 90 billion tons of rock have to be moved to extract 50 billion tons of usable resources. And that’s every year! To put that into perspective: based on the national area of the state of Austria that would mean to dig up 200m of soil, using 110m and wasting the other 90m. (Source: SERI)

The results of such behaviour are known. We hear of environmental destruction and social problems every day in the news. An it’s even financially unwise. Let’s turn to the washing machine again. If you bought a cheap one for 300 Euro, you can expect it to work on average for three years until it breaks. And usually those appliances cannot be repaired, either because it’s not worth the while or because they are built in a way that makes it impossible to repair them. Hence, buy a new one. In contrast, if you had bought a qualitatively better one, say for 1.000 Euro, you can expect it to work for 20 years on average. Even if you needed to have it repaired twice for 150 Euro each time, you would achieve a total cost advantage of 800 Euro over 20 years. And that’s not considering both resources and energy necessary to produce, ship, buy, and use a new appliance every three years. (Source: Sepp Eisenriegler, R.U.S.Z. Vienna, Ö1 Nachtquartier 17.9.12)

Zero Waste is a way out of this vicious circle. Zero Waste provides us both with a philosophy and applicable methods. Zero Waste asks important questions: what do you really need; what makes you happy; what do you want? And Zero Waste tells what to do: Reduce, Reuse, Recylce! Concerning companies, that means to design waste out of their products, and if that’s not possible to provide means of reusing or recycling them. Concerning politics, Zero Waste asks to change the rules of the game to support reusing and recycling. And as to individuals Zero Waste let’s you reflect your consumption patterns. Or as Paul Connett swiftly puts it, “if we can’t recycle, reuse, or compost it, industry should not make it and we should not buy it.”

Zero Waste is a means to translate the global picture to local measures. Hence I’m very happy that my lecture resulted in lively discussion, but even more, in concrete action. That very evening one of the participants initiated a movement that intends to support local businesses that are socially and ecologically engaged. In a first step she wants to compile a list of such businesses and make it available to the neighboring community.

Change is happening!

My thanks for the invitation and the chance to present and discuss Zero Waste go to Eva Weissmann, Manfred Magister, and Gitti Soos!

- - -

Eine müllfreie Gesellschaft – geht das überhaupt?

Was ist eigentlich Zero Waste? Können wir unseren Müll überhaupt los werden? Können wir eine müllfreie Gesellschaft werden? Was kann ich tun? Sollte ich meine alten Haushaltsgeräte gegen energiesparendere tauschen? Aber das hieße doch, erst wieder Müll zu produzieren, und die alten Geräte funktionieren ja noch! Diese und viele andere Fragen habe ich vor kurzem bei der SPÖ Ottakring in den Sektionen 19 und 20 diskutiert.  (Wien, 8.11.2012)

Warum halten wir von The Godd Tribe Zero Waste für eine gute Sache? Unserem Befund nach stecken wir alle in einem linearen Wirtschaftssystem fest, dass auf Gedeih und Verderb von einem exponentiellem materiellem Wachstumsparadigma abhängig ist. Das heißt in letzter Konsequenz unendliches materielles Wachstum, und das wiederum produziert gezwungenermaßen große Mengen an Müll. Wir meinen, unendliches Wachstum auf einem endlichen Planeten geht nicht zusammen. Weiters sind wir der Überzeugung, dass bisherige Maßnahmen, um dem Müllproblem Herr zu werden, weder geeignet sind, um die Müllberge abzutragen noch um die damit verbundenen sozialen und ökologischen Negativfolgen einzudämmen. Denn diese Maßnahmen richten sich nicht an die Ursache, sondern bekämpfen nur Symptome. Ein Vergleich: stellt euch vor, ihr geht mit Grippe zum Arzt und kommt mit einer Packung Taschentücher gegen eure laufende Nase zurück.

Ein paar Fakten:

  • Jedes Jahr werden die Österreicher 500.000 Waschmaschinen weg. Stellt man diese Kante an Kante – ohne einen Millimeter Platz dazwischen zu lassen – dann reicht die Waschmaschinen-Schlange von Wien bis ins 300km entfernte Salzburg! (Quelle: Sepp Eisenriegler, R.U.S.Z. Vienna, Ö1 Radiokolleg “Abfall als Ressource”, 10.10.12)
  • Elektroschrott enthält im Durchschnitt 150g Gold pro Tonne Abfall, wird aber nicht genutzt. Zum Vergleich, in Südafrika etwa werden Goldminen bereits ab einem Goldgehalt von 6g pro Tonne Abraumgestein betrieben. (Quelle: Ö1 Radiokolleg “Abfall als Ressource”, 10.10.12)
  • Weltweit gesehen werden jährlich 90 Milliarden Tonnen Gestein bewegt, um an 50 Mrd. Tonnen Ressourcen heranzukommen. Umgelegt auf die Fläche Österreichs hieße das, Österreich jedes Jahr 200m tief umzugraben, 110m zu entnehmen und 90m zu verschwenden. (Quelle: SERI)

Wir kennen die Resultate dieses Verhaltens. Jeden Tag erfahren wir in den Nachrichten von Umweltzerstörung und sozialen Problemen. Und es ist noch nicht einmal aus finanzieller Sicht schlau. Ein Rechenbeispiel dazu: eine billige Waschmaschine um 300 Euro halt im Schnitt 3 Jahre und ist meistens nicht reparierbar (bzw. zahlt sich eine Reparatur oft nicht aus). Im Vergleich kostet eine qualitative hochwertige und reparierbare Waschmaschine, sagen wir: 1000 Euro. Diese halt im Schnitt 20 Jahre. Selbst bei zweifacher Reparatur um je 150 Euro ergibt sich daraus eine Kostenersparnis von 800 Euro. Und diese 800 Euro berücksichtigen noch gar nicht die Ressourcen und die Energie, die für Produktion, Transport, Kauf, Lieferung und Nutzung einer neuen Maschine alle drei Jahre erforderlich sind. (Quelle: Sepp Eisenriegler, R.U.S.Z. Vienna, Ö1 Nachtquartier 17.9.12)

Zero Waste bietet einen Ausweg. Zero Waste gibt uns einen philosophischen Rahmen und gleichzeitig konkrete Handlungsanweisungen und Methoden. Zero Waste stellt wichtige Fragen: Was brauche ich wirklich? Was macht mich glücklich? Was will ich? Und Zero Waste hat ein einfaches Motto: Reduce, Reuse, Recycle! Für Unternehmen heißt das, den Müll schon im Design der Produkte zu vermeiden, oder zumindest Mittel und Wege anzubieten, damit Konsumenten die Produkte zur Wiederverwendung oder zum Recycling zurück bringen können. Für die Politik heißt das, über Regeln nachzudenken, die Wiederverwendung und Recycling fördern. Für den Einzelnen heißt das, das eigene Konsumverhalten zu überdenken. Oder, um es in Paul Connetts Worten zu sagen, “Wenn wir es nicht rezyklieren, wiederverwenden oder kompostieren können, sollte es die Industrie nicht herstellen und wir sollten es nicht kaufen.”

Zero Waste ist auch ein Übersetzer des globalen Bilds auf lokale Maßnahmen. Deswegen freut mich besonders, dass wir nicht nur miteinander diskutiert haben an diesem Abend, sondern dass auch konkrete Action beschlossen wurde. Eine der Teilnehmerinnen des Abends möchte lokale Geschäftsleute unterstützen, die sich sozial und ökologisch besonders engagieren. Als ersten Schritt will sie eine Liste solcher Geschäfte auflegen und sie den Menschen im Bezirk zur Verfügung stellen.

Wandel passiert!

Mein Dank für die Einladung und die Möglichkeit, Zero Waste vorzustellen und zu diskutieren geht an Eva Weissmann, Manfred Magister und Gitti Soos!

Michael Bauer-Leeb